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Zerschlagung der Behindertenhilfe

Das AWO warnt vor Zerschlagung der Behindertenhilfe
 
Landeswohlfahrtsverband soll zuständig bleiben
Das Bundesteilhabegesetz sieht vor, dass Menschen mit Behinderung darüber bestimmen können, wo und wie sie wohnen. Auch wo sie arbeiten oder wie sie betreut werden, sollen sie selbst entscheiden können. Um das zu gewährleisten, ist ein großer Teil der Behindertenhilfe in Hessen zentral organisiert, nämlich vom Landeswohlfahrtsverband (LWV). Kreise und kreisfreie Städte haben diese Aufgabe an ihn übertragen. Jetzt gibt es aber Pläne, diese an die Sozialämter zu geben. Dagegen formiert sich Widerstand. So warnt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in einer Mitteilung vor einer Verschlechterung der Situation für Menschen mit Behinderung, wenn diese Überlegungen in die Tat umgesetzt würden. Die AWO befürchtet, dass es je nach Finanzkraft und politischer Mehrheit sogar zu einer „Behindertenhilfe nach Kassenlage“ kommt.
 
„Wenn der Kämmerer nach aktueller Kassenlage über die Höhe der Ausgaben für Menschen mit Behinderung entscheidet, gerät die Behindertenhilfe in Schieflage. In der einen Region könnte weniger Unterstützungsleistung erbracht werden, als neben an. Damit wäre die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse von Menschen mit Behinderung und die Teilhabe an der Gesellschaft in Gefahr“, warnt AWO Kreisvorsitzender Horst Baier und fordert: „Menschen mit Behinderung sollen weiterhin ihren Wohn- und Lebensort genauso selbst wählen können, wie jeder andere auch“.
Der Kritik schließt sich auch der Geschäftsführer der AWO Integra, Michael Albers, an: „Ohne den LWV werden neue Projekte, wie zum Beispiel dezentrale Wohnformen für Menschen mit Behinderung erschwert. Auch ist fraglich, wie schnell die notwendige Fachlichkeit und Kompetenz der 1.200 LWV Mitarbeiter in den Verwaltungen der Landkreise aufgebaut werden könnte. Das wird aller Voraussicht nach erhebliche finanzielle Mittel und lange Zeit beanspruchen. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen durch das Bundesteilhabegesetz“, gibt Albers zu bedenken.
„Wir setzten uns klar für den Erhalt des LWV und den Verbleib der Behindertenhilfe in zentraler Hand. Damit erreichen wir eine optimale Unterstützung und gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. Das gilt für den Landkreis Darmstadt-Dieburg aber auch für ganz Hessen“, so Beier abschließend.
 
Der Hessische Städtetag hat gefordert, die Behindertenhilfe auf die kreisfreien Städte und Landkreise zu verteilen und den LWV damit aufzulösen. Der Hessische Landtag entscheidet in den nächsten Monaten, wie die Behindertenhilfe in Hessen künftig organisiert werden soll.