AWO family gGmbH

Geschichte und Musik

Pressemitteilung 11.02.2020

AWO-Seniorentreff eröffnete mit Geschichten und Musik

Nach der kurzen Winterpause begannen die Seniorennachmittage der AWO Mühltal mit schwungvoller Musik, dargeboten von der jungen Pianistin Mana Nemati aus Mühltal. Sie spielte zur Umrahmung der Gratulation für die Geburtstagskinder der vergangenen 3 Monate. Mit den unterschiedlichen Stücken wie „Rock it, Sanfte Wellen, Bären-Boggie und Fliegender Teppich“ erntete sie viel Applaus.

Es hat schon Tradition, dass Jutta Hentze und Friedrich Wolbold zu diesem Anlass den Gästen von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte erzählen, deren Geburtstage ebenfalls in diesen Zeitraum fallen. Als besondere Persönlichkeiten für den Monate Oktober, stellte Jutta Hentze Luis Tenker vor.

Für die Jüngeren ist Luis Trenker nur mehr ein teures Modelabel (Trenker-Hut, Trenker-Cord). Für ganze Generationen aber war der Grödner der Inbegriff des tollkühnen Bergsteigers, den er auch in über 20 Spielfilmen verkörperte. Hohe Stirn, braun gebrannt, von Wind und Schnee geprägt.

Luis Trenker wurde am 4. Oktober 1892 in Sankt Ulrich in Gröden (Tirol, Österreich-Ungarn) geboren.

Er starb am 12.April 1990 in Bozen (Italien) im Alter von 97 Jahren und wurde im Familiengrab in Sankt Ulrich beerdigt. Er war Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Bekannt geworden ist er besonders durch seine Filme über die Alpen.

Luis Trenker wuchs zweisprachig auf (Tiroler Dialekt/Deutsch und Ladinisch).

In der Realschule in Innsbruck lernte er später Italienisch.

Schon in seiner Schulzeit arbeitete Trenker in den Ferien als Bergführer und Skilehrer. Nach seiner Reifeprüfung studierte er an der TH Wien Architektur.

Im 1. Weltkrieg wurde Trenker verwundet und dann als Bergführer einer Bergführerkompanie in den Dolomiten eingesetzt. Danach beendete er sein Architekturstudium an der TU Graz und arbeitete als Architekt in Bozen.

Luis Trenker heiratete 1928 und wurde Vater von 4 Kindern.

1921 erhielt Luis Trenker seine erste Film-Hauptrolle, da der vorgesehene Schauspieler nicht klettern konnte. In weiteren Filmen war er zunächst nur Schauspieler. 1927 gab er – da sein österreichischer Studientitel in Italien nicht mehr anerkannt wurde - das Architekturbüro auf, arbeitete nur noch als Künstler und lebte bis 1940 in Berlin.

Als Regisseur debütierte Trenker 1928 mit dem bekannten Stummfilm „Der Kampf ums Matterhorn“. Danach war Trenker in seinen Filmen oft Hauptdarsteller, Regisseur und

Drehbuchautor in einer Person. Neben seinen Filmen veröffentlichte Trenker auch Romane, Artikel und Erlebnisberichte. Diese stammten nicht immer aus seiner eigenen Feder, was ihn auch vor Gericht brachte.

Ein Hauptthema von Trenkers künstlerischem Schaffen ist das idealisierte Leben in der Heimat- und Bergwelt.

So konnte das faschistische Regime in Italien und auch das NS-Regime in Deutschland Trenkers Werke instrumentalisieren. Hitler zählte lange zu Trenkers Bewunderern.

1940 verließ Trenker Berlin und zog für Dreharbeiten zunächst nach Rom, später nach Bozen.

Nach 1945 verkaufte Trenker Schnitzereien aus dem Grödnertal, die er mit unlauteren Mitteln „auf alt“ getrimmt hatte, als Antiquitäten.

Ab 1946 versuchte Trenker, das Manuskript der gefälschten Tagebücher von Eva Braun zu verkaufen. Ob er der Urheber war, ist bis heute unklar.

1949 setzte Trenker seine Dreharbeiten mit Berg-Dokumentarfilmen, ab 1955 auch mit Kinofilmen, in München fort.

Ab 1959 hörte und sah man Trenker im Rundfunk und Fernsehen, z.B. ab 1969 in der ZDF-Serie „Luftsprünge“.

In all seinen Filmen und Publikationen war das Motiv „Berg“ aber nicht das einzige.

Dies zeigt sich auch in der Chronik seines Schaffens:

1924-1962 24 Drehbücher/Spielfilme

1931-1961 23 Romane/Erzählungen z.T. mit Hilfe von Ghostwritern und Koautoren

1969/1970 ZDF-Fernsehserie „Luftsprünge“

Der Vortrag von Jutta Hentze wurde mit Applaus der Besucher bedacht. Damit ging wieder ein kurzweiliger und schöner Nachmittag zu Ende.

Jutta Hentze

Bild (E. Schöneberg): Mana Nemati erfreute die Besucher am Klavier.